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Experimentelle Kunst

Grafikdesigner

Matthias Jäger

Du hast das Architekturstudium an der TU Graz abge­schlossen – inwiefern unterscheidet sich das Studium von der Praxis?
Ich war sowohl vor, als auch nach dem Studium in Architektur­büros tätig. Während dem Studium hat es mir sehr gut gefallen und ich habe spannende und ­interessante Aufgaben bekommen. Aber während dem Studium in einem Büro zu arbeiten ist etwas komplett anderes, als nach dem Studium. Als fertige/r ArchitektIn bist du bis zu einem hohen Maße eigenverantwortlich und das kann belastend sein. Das ist in meinem anderen Beruf als Grafiker zwar relativ ähnlich, aber da scheue ich mich nicht davor, Verantwortung zu übernehmen.

Wie war für dich der Übergang vom Studium zur Arbeitswelt?
Ich habe hauptsächlich in verschiedenen Architekturbüros gearbeitet und Wettbewerbe gemacht. Ich hatte damals den Eindruck, dass das Studium mir nicht viel für die Arbeitswelt mitgeben könnte, aber dann habe ich erkannt, dass das nicht stimmt. Und ich bin davon überzeugt, dass alle die an der TU Graz studieren, durchaus in der Lage sind, ganz erfolgreich in einem Architekturbüro zu arbeiten. Ich habe aber dann für mich erkannt, dass ich das nicht möchte und lieber Grafiker sein will.

Du bist heute im Grafikdesign tätig. Wie ist es dazu gekommen?
Ich war schon vor dem Architekturstudium lange im Grafikdesign tätig. Auch währenddessen habe ich ­grafische Projekte gemacht, komplett unabhängig vom Studium. Ich habe dieses teilweise dazu benutzt, meine Kenntnisse als Grafikdesigner zu erweitern. Ein großer Teil von Architektur ist Architekturzeichnung und grafi­sche Darstellung von Dingen, die noch nicht existieren, aber real werden könnten. Das ist meiner Meinung nach sehr ähnlich, wie in einer Werbeagentur. Der Prozess von der Überlegung einer einzigartigen Idee aus einer Problem­stellung heraus, diese Idee zu skizzieren bis langsam ein Bild davon entsteht, das immer schärfer wird. Das ist ein Prozess, sowohl im Grafikdesign, als auch in der Architektur und diesen würde ich grafische Gestaltung nennen. Ich finde, dass man im Architektur­studium gut lernt, dass das ein Prozess ist und wie man an diesen herangehen kann. Man lernt mit anderen darüber zu sprechen und bekommt einen guten Überblick, wie vielfältig das Thema Gestaltung sein kann. An der Architektur und am Grafikdesign gleich ist, dass es darum geht, etwas für den Menschen zu gestalten.

Hast du noch einen Zugang zur Architektur?
Ich hatte immer einen Zugang zur Architektur. Den habe ich nie verloren. Ich habe auch immer noch eine Meinung zur Architektur. Ich habe nur beschlossen, dass das nicht mein Beruf sein soll.

Wie ist deine Meinung zum Architekturstudium an der TU Graz?
Ich möchte rückblickend nichts am Architekturstudium kritisieren. Aber das Studium ist ja für jeden anders. Ich war ein Jahr lang als Student in Belgien und habe da eine ganz andere Art von Architekturstudium erlebt. Dort habe ich mich mit vielen Studierenden aus der ganzen EU über das Architekturstudium und den Unterschieden zwischen den verschiedenen Universitäten unterhalten. Ich war nach dem Auslandsjahr sehr froh darüber, wieder an die TU Graz zurückzukommen, weil das Studium viele Freiheiten anberaumt, die es wo anders nicht gibt. Woanders ist die Architektur so, wie sie von den Lehrenden bestimmt wird, doch an der TU Graz kannst du ein interessantes Konzept vorstellen, das zwar nicht ganz die Aufgabe trifft, aber von dir gerechtfertigt und dadurch auch honoriert wird. Das ist eine Seltenheit auf ­anderen Universitäten. Mit so einer großen Freiheit ­kommt aber natürlich auch Überforderung. Ich muss zuerst überlegen, was ich eigentlich möchte und warum das so ist. Solche Fragen müssen sich Studierende an der TU Graz schon früh im Studium stellen und lernen, diese zu beantworten.

Wann hast du dich für Grafikdesign entschieden?
Ich habe immer schon gewusst, dass ich das machen möchte. Ich wollte in die Kunst gehen, habe mich aber davor gefürchtet, weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie man gute Kunst macht. Im Architekturstudium habe ich mir Webprogrammieren und ähnliches beigebracht, weil ich das Gefühl hatte, dass mir das liegt. Das Studium ist letztendlich eine Zeitspanne, in der du die Möglichkeit hast, dir das anzueignen, was du möchtest. Und das kann ich jedem empfehlen.

Gibt es eine Persönlichkeit, die dich in deinem Werdegang inspiriert?
Der belgische Künstler Hans Op de Beeck, weil er einen ganzheitlichen holistischen Ansatz hat. Er macht Film, Skulptur, Malerei und erzählt dabei immer eine ­Ge­schichte.

“Architektur auf Umwegen”: Was bedeutet dieser Titel für dich?
Ich sehe darin eine bestimmte vorgefasste Meinung. „Umwege“ ist mit einer bestimmten Wertung verbunden. Vielleicht ist es aber auch nur ein Weg. Ich habe ­keinen Umweg gemacht.

Gibt es noch etwas, das du den LeserInnen mitgeben möchtest?
Ja. Der/Die ArchitektIn ist immer jemand, der/die sich für die Welt interessiert. Die Welt ändert sich sehr schnell und das treibt einen an. Es kommen immer neue Programme heraus, aber es ist unmöglich alle zu lernen. Es geht bei den Studierenden ganz oft um die Mittel, die bei der Architekturdarstellung helfen sollen. Aber die Kernkompetenz sollte das Gestalten sein. Und das ist für mich mit einem Stift etwas auf ein Blatt Papier zu schmieren.

 

Text: Riham El Moazen