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PLURAL

Vegane Bio Mode

Magdalena Brunner

Ich wollte immer schon Architektur machen. Mein Papa hat begonnen, Architektur zu studieren, das Studium aber nicht beendet, weil er die Familie vorgezogen hat. Das hielt ihn aber nicht davon ab, ein eigenes Büro zu gründen, bei welchem ich auch noch immer für 30 Stunden pro Woche angestellt bin. Mein Papa war immer mein Vorbild. Deswegen war es für mich keine Frage, dass ich das Architekturstudium in Graz beginnen und auch selbst Architektin werden würde.
Es gab einen kurzen Moment nach der Unterstufe, als ich mir überlegt habe, auf die Modeschule zu gehen. Damals haben mir aber viele Menschen in meinem Umfeld davon abgeraten. So habe ich mich entschieden, das Gymnasium zu besuchen und danach auf die Uni zu gehen, um das Architekturstudium zu beginnen.

Ich fühle mich als Architektin und ich werde wahrscheinlich auch nie aufhören, mich als Architektin zu fühlen. Ich selbst bezeichne mich nicht als Modedesignerin, da ich noch nicht zur Gänze von meiner Mode leben kann. Es ist ein stetiger Prozess und ich bin gerade mitten in der Aufbauphase. Irgendwann möchte ich von meinem Label leben können und die Arbeit als Architektin auf die Seite legen. Dennoch macht es mir Spaß, mit meinem Papa zusammenzuarbeiten, auch wenn es nicht immer einfach ist. Ich bin eben gerne mein eigener Chef, und ich liebe es zu sehen, wie PLURAL wächst. Das Label ist mein „Baby“, so wie ein jeder Entwurf, den du in der Architektur machst. Es ist etwas sehr Persönliches: was du entwirfst, deine Zeit, die du dafür hergibst und deine Ideen, die du zur Realität werden lässt.

Ich habe schon neben dem Studium immer ein bisschen bei meinem Papa im Büro gearbeitet, nach dem Studium dann bei Pernthaler ZT GmbH und anderen Architekturbüros. Ich habe aber schnell gemerkt, dass mir die Voll­zeitarbeit als Architektin in einem Büro viel zu eintönig ist. Relativ bald, ungefähr zwei Jahre nach dem Studium, habe ich PLURAL gegründet. Zuerst war Mode zu designen nur ein Hobby von mir. Ich habe auch schon während des Studiums immer ein bisschen genäht und entworfen. Das erste Mal, als ich meine Mode außerhalb meines Freundeskreises verkauft habe, war am Feschmarkt in Graz. Daran kann ich mich noch genau erinnern, ich fand es total aufregend, etwas an fremde Leute zu verkaufen, und bin mit dem Gedanken hingegangen, vielleicht maximal ein Teil zu verkaufen. Im Endeffekt hat es den Besuchern aber wirklich gefallen, und ich konnte mehr verkaufen, als ich mir jemals gedacht hätte. Das war der Zeitpunkt, als es ernst wurde.
Ich stecke viel Zeit in meine Arbeit und realisiere erst, wie viel ich wirklich verkauft habe, wenn ich auf das Jahr zurückblicke.
Ich hätte mir nie gedacht, dass ich einmal ein eigenes Modelabel gründe, denn mein Zukunftsbild war es, ­Architektin zu sein. Doch ich bin mehr als glücklich, wie alles passiert ist, und es war meine eigene Entscheidung. Ich wollte immer schon mein eigener Chef sein. Deswegen bereue ich nichts.

Von dem Architekturstudium ist mir die Freude für das Entwerfen und Designen geblieben, was meine Tätigkeit als Designerin voraussetzt. Anschließend die Pläne zu zeichnen und in den Entwurf einzutauchen, empfinde ich als eine sehr meditative und entspannende Arbeit. In der Architektur interessiert mich jedoch der gesamte Prozess, der alle Tätigkeitsbereiche einer Architektin beinhaltet.

Stark geprägt hat mich im Architekturstudium das Seminar Entwerfen 3 bei Herrn Kupfer. Es war ein sehr intensives Projekt, bei dem ich wirklich gelernt habe, was es heißt, zu entwerfen, und wie ich die richtigen Vorgehensweisen für mein Projekt anwenden kann. Auch mein Diplomprojekt mit dem Thema „Stadt ­plural“, bei welchem ich die Wiederbelebung gründerzeitlicher Innenhöfe in Graz bearbeitet und mich intensiv mit ­Architekturtheorie und Entwurfsprozess befasst habe, war eine prägende Arbeit für mich. Zudem war es sehr prägend für meine Zukunft, da ich das „PLURAL“ aus meinem Diplomprojekt als Name für mein Modelabel ausgewählt habe.

Am Architekturstudium würde ich kritisieren, dass das Studium zu realitätsfremd gegenüber der Tätigkeit als Architektin abläuft. Leider kann man in den meistens Büros kaum seine Kreativität, die einem während des Studiums gelehrt wird, ausleben. Viele Projekte auf der Uni stoppen nach dem Entwurf. Die Einreichphase und alle Schwierigkeiten, die noch auf einen zukommen, werden meist außen vor gelassen. Ich glaube: Würde das Studium realitätsnaher aufgebaut werden, würden möglicherweise viele bereits vor dem Abschluss abbrechen.

Es war kein bestimmter Zeitpunkt, an dem ich realisiert habe, dass ich wahrscheinlich nicht als Architektin
arbeiten würde. Vielmehr hat sich das einfach entwi­ckelt. Es war eben absolut nicht mein Plan, nicht als Architektin zu arbeiten. Eines kam zum anderen und plötzlich war es einfach so. Ich habe einfach immer das verfolgt, was ich gerne getan habe, und plötzlich hatte ich PLURAL, „mein Baby“, welches ich nicht mehr aufgeben wollte.

Das Interesse für das Nähen habe ich noch nie wirklich gehabt, zudem darf ich das nun auch gar nicht, da ich eine ausgebildete Näherin brauche. Somit habe ich jemanden in meinem Team, der diese Arbeit über­­nimmt. Bei meiner Leidenschaft handelt es sich, wie in der ­Architektur, wirklich um das Entwerfen, Designen und den Drang, selbstständig zu sein.

Ich bin da, wo ich gerade bin, definitive, weil ich Architektur studiert habe. Eine kurze Ein-Tages-Überlegung war es, Theologie nach dem Gymnasium zu studieren ... Dann wäre ich möglicherweise nicht da, wo ich jetzt bin. Grundsätzlich war es schon sehr wichtig für meinen Weg, ein Studium zu wählen, bei dem ich die Prozesse des Entwerfens erlerne und übe.

Es gibt viele Architekten, die Mode machen. Zum Beispiel das Label „United Nude“ von Rem Koolhaas, für das auch Zaha Hadid Schuhe entworfen hat. Ich würde aber nicht sagen, dass es Persönlichkeiten gibt, die mich inspirieren.

Meinem damaligen ICH würde ich vorschlagen, alles ein bisschen lockerer zu sehen. Ich habe mich notentechnisch viel zu sehr gestresst und unnötige Selbstzweifel gehabt. Im Nachhinein denke ich mir, es wäre schon in Ordnung gewesen, eine Prüfung mal nicht zu schaffen.

Ob ich Umweg dazu sagen würde, weiß ich nicht, eher ein Begleitweg. Umweg klingt so negativ, aber ich habe mich nicht vergangen, ich gehe schon den richtigen Weg. Wo der hinführt, weiß ich nicht, aber das weiß ja in Wahrheit niemand. Nie hätte ich nach dem Architektur­studium gedacht, dass ich das mache, was ich jetzt tue, aber es passt schon. Es gibt also keinen Umweg, ich habe mich nicht verlaufen.

 

Text: Lilli Scheucher