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„keine Fotos von, sondern über Architektur" -Dietmar Steiner

Marghertia Spillutini

Wann haben Sie begonnen zu fotografieren? Was war der Auslöser für Ihren künstlerischen Werdegang?
Das war ein ganz langsames „Hineinwachsen“. Begonnen hat es mit Fotografieunterricht während meiner Ausbildung zur medizinischen und radiologisch-technischen Assistentin in Innsbruck und mit eigenen Versuchen. Nach der Geburt meiner Tochter bin ich nicht mehr in diesen Beruf eingestiegen und habe mich zusehends mit Fotografie beschäftigt. Ausschlaggebend waren dann die Fotosymposien und Workshops, die von der Camera Austria in Graz Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre veranstaltet wurden. Damals hat es außer der gewerblichen noch keine künstlerisch-universitäre Ausbildung in der Fotografie gegeben.
 
Was war Ihre erste Kamera?  
Meiner Erinnerung nach eine Agfa-Box, als ich ca. 10 Jahre alt war. Später dann in Innsbruck eine Voigtländer.
 
Was war zuerst – Interesse an der Architektur oder der Fotografie?  
Das ist schwer zu sagen, weil mein Vater ein architekturinteressierter Baumeister war und mich schon als Kind oft zu seinen Baustellen mitgenommen hat. Technische Bauten in den Alpen haben ihn besonders interessiert.

Landschaftsfotografie und Architekturfotografie – wie lassen sich diese beiden Schwerpunkte verbinden?
Das eine vom Menschen geschaffen, das andere ziemlich unberührt.
Meine Landschaften sind nie unberührt und handeln immer von menschlichen (technischen) Eingriffen in die Natur.
 
Gibt es einen Fotografen/Fotografin, der/die Ihr Schaffen maßgeblich beeinflusst hat?
Nein, eigentlich niemand Bestimmten. Aber Workshops (Mary Ellen Mark in Graz und Verena von Gagern bei der Sommerakademie in Salzburg) haben natürlich ihre Spuren bei mir ­hinterlassen.
Hat sich Ihr Zugang zur Fotografie mit Ihrer Krankheitsdiagnose verändert?
Die Krankheit hat sich nur langsam ent­wickelt, begonnen hat alles vor 20–25 Jahren. Mit zunehmender körperlicher Einschränkung konnte ich mich immer weniger mit dem Fotografieren beschäftigen. Die letzte Auslandsreise machten wir 2006, den letzten Architektur-Fotoauftrag in Wien 2014. Dafür ist in den letzten Jahren die Auseinandersetzung mit meinem Fotoarchiv dazugekommen, das war eine sehr interessante Bereicherung. Das war alles nur deshalb möglich, weil mich immer großartige Assistentinnen begleitet haben.

Ihr liebstes Architekturprojekt in Wien?  
Hab ich keines!

„Fake it till you make it“ – Photoshop, Lightroom und Co.: Wie stehen Sie zur modernen Bildbearbeitung?
Diese Programme haben natürlich einen wesentlichen Anteil an der medialen Veränderung, welche die Digitalisierung mit sich gebracht hat.
 
Generation Smartphone – Untergang einer Profession oder Schaffung neuer Chancen?
Natürlich haben sich der Inhalt und die beruflichen Anforderungen derjenigen Menschen, die mit Fotografie ihr Geld verdienen, total verändert. Ich sehe darin eher Chancen.


Wie gehen Sie mit der sich rasant entwi­ckelnden Automatisierung und Digitali­sierung um?
Das ganze Prozedere, das in der Kommunikation mit Redaktionen und Herausgebern früher nötig war, ist um vieles unkomplizierter geworden. Für mich als Privatperson mit mittlerweile doch massiven körperlichen Einschränkungen ist die Digitalisierung ein wahrer Segen!

Nachdem Sie auch Erfahrung im Bereich der Reportagefotografie haben: Wie stehen sie zum Mythos Politpopulismus?
Das ist für mich kein Mythos, sondern mediale Realität, besonders seit der Digitalisierung.

Wenn Sie eine lebende oder bereits verstorbene Person Ihrer Wahl treffen könnten, wer wäre es?
Zum Beispiel Marie Jahoda [österr. Sozialpädagogin, Anm. d. Red.].
 
Was ist Ihre absolute Lieblingsspeise?
Leider: Durch meine Krankheit hat sich mein Geschmackssinn reduziert. Das ist schlimmer als nicht gehen können ...


                                                                                                                            Interview geführt von Marjan Kusebauch