© 2019 by Philipp Glanzner

NUKO Photography

Fotografin

Nuša Košar

Nuša, woher kam die Entscheidung Architektur zu studieren?

 

Architektur war für mich eine Art Kompromisslösung. Eigentlich habe ich mich sehr für Malerei interessiert, aber die finanziellen Aussichten waren nicht so prickelnd. Da habe ich mich für Architektur entschieden, da es für mich damals nach einer guten Mischung aus Kreativität und gut bezahlter Arbeit geklungen hatte.

 

 

Wie kam es zum Übergang zur Fotografie?

 

Architektur war dafür direkt verantwortlich. Das Interesse wurde durch eine Lehrveranstaltung entfacht. Zuerst kaufte ich mir eine Kompaktkamera und machte nur ein paar Schnappschüsse und Experimente. Doch bald besorgte ich mir eine Spiegelreflexkamera und tauchte komplett in die Fotografie ein.

 

Welche Art der Fotografie interessiert dich am meisten?

 

Witzigerweise sind es Stillleben, meine damit aber nicht unbedingt die klassische Obstschale.

Darin kann man so gut eine Message verpacken und Objekte zum Sprechen bringen. Man muss es auch gar nicht offensichtlich machen, ich gebe den Bildern Symbole. Wie diese Symbole dann interpretiert werden, hängt vom Betrachter ab. Jeder nimmt es anders wahr, deswegen nehme ich mir bei Ausstellungen Zeit, um mit den Leuten zu reden. Ich finde es total spannend, wenn sie mir über ihre Gefühle erzählen, die vom Bild erzeugt werden.

 

Welchen Einfluss hat das Architekturstudium auf deine Fotografie?

 

Einen sehr Großen! Raum und Licht sind in beiden Gebieten sehr wichtig. Wobei Raum, meiner Meinung nach, nur vor Ort und nicht über ein Bild wirklich wahrgenommen werden kann. Deswegen bin ich auch keine Architekturfotografin. Diese Tiefe und das Gefühl, die von so vielen Faktoren in einem Raum verursacht werden, lassen sich nur ganz schwer in einem Bild einfangen.

Das ist so, als ob man eine hausgemachte Suppe der Oma haben will, aber eine Packerlsuppe vorgesetzt bekommt. Architektur muss ein Gefühl vermitteln und diese Funktion ist nicht ohne Weiteres auf andere Medien übertragbar.

In meiner Diplomarbeit an der Ortweinschule habe ich versucht, den dreidimensionalen Raum zu fotografieren, um aus dem zweidimensionalen Bild wieder einen dreidimensionalen Raum zu schaffen. Ein fast unmögliches Unterfangen, erst durch Einbindung von Bewegung wird das was.

 

Was ist für dich, im Vergleich zur Architektur, der größte Vorteil an der Fotografie?

 

Sehr abwechslungsreiche Projekte und Arbeitsplätze. Ein großer Minuspunkt an dem Architekturberuf ist die lange Zeit, in der man vor dem Computer sitzt. Ich brauche Abwechslung und Bewegung, das stille Sitzen geht gar nicht. Meine Projekte sind in der Regel auch kürzer als Architekturprojekte, an denen manchmal jahrelang geplant wird.

 

Und was ist der Vorteil bei Architektur?

 

Es gibt so vieles zu lernen. Architektur ist eine Methode, um sich Wissen anzueignen. Es ist für mich gar nicht an einen bestimmten Beruf gebunden. Man kann sich mit ganz vielen Teilbereichen befassen, ohne ein Architekt zu sein.

Der Gedanke aus Nichts was funktionelles zu erschaffen ist großartig. Auch, dass Sachen wie Umgebung, Psychologie, Soziologie, Nachhaltigkeit usw. in die Architektur fließen, finde ich super. Leider vermisse ich solche Ansätze oft in der Fotografie.

Hast du während deines Studiums Fähigkeiten gelernt, die dir als Fotografin weitergeholfen haben?

 

Photoshop!

 

 

Könntest du dir vorstellen als Architektin zu arbeiten?

 

Architektonisch tätig ja, aber nicht als klassische Architektin. Was mich sehr interessiert, sind temporäre Räume. Sehr wichtig für mich ist auch Licht – Lichtkonzepte zu erstellen stelle ich mir als einen guten Übergang zwischen Architektur und Fotografie vor.

Raum-, Licht- und Farbpsychologie sind weitere Gebiete, an denen ich gerne arbeiten würde.

 

 

Wenn du zurück in die Zeit, deines ersten Tages an der Uni reisen könntest, was würdest du deinem Ich sagen?

 

Zieh es durch! Später kannst du sowieso arbeiten was du willst. Egal, was du im Leben lernst, du kannst es brauchen.

Text: Petrit Vejseli