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Shot Shot Shot

Animationskünstler

Daniel Bauer

Griesgasse 7, quer durch das Parks Café, durch eine Tür hindurch und über eine Stiege hinauf in den 1. Stock. Ganz ohne weitere Beschilderung und ein bisschen versteckt, liegt im Herzen von Graz das Büro von shot shot shot. Daniel Bauer, Absolvent und ehemaliger Architekturstudent der TU Graz, führt zusammen mit Richard Techt seit 2007 das mittlerweile sehr bekannte Büro für Filmproduktion und Motiondesign, mit Fokus auf Werbefilm.

 

Der gebürtige Grazer hat in den 90er und frühen 2000er-Jahren sein Studium verfolgt, eine Zeit, in der die Digitalisierung in der Architektur Einzug gehalten hat und experimentelle Architektur sehr präsent war. Das war auch der Zeitpunkt, an dem der frühere Musiker gemerkt hat, dass er sich auch für die 4. Dimension, die Bewegung interessiert und ist somit über die Tools der 3D-Animation immer weiter weg vom klassischen Bauen und hin zu dem Filmemacher, der er heute ist, gekommen. Auf das Architekturstudium wurde er durch seinen Vater aufmerksam, der als Unternehmer Pläne und Ähnliches für verschiedenste Bauprojekte anfertigte und einige Architekten zu seinen Freunden zählte. Dadurch bekam Daniel schon früh Einblicke in das Architekturleben.

 

Das Studieren selbst hat der Filmemacher sehr genossen, vor allem, weil man damals – so laut ihm – noch den Luxus hatte, sich so richtig viel Zeit zum Studieren zu lassen. Zu seiner Zeit war es selbstverständlich, dass man während des Studiums schon in einem Architekturbüro arbeitete und sich dadurch die Studienzeit verlängerte. Daniel hat bereits während des Studiums zahlreiche Wettbewerbe begleitet und dadurch bekannte Persönlichkeiten der Grazer Architekturszene kennengelernt. Angefangen von Peter Zinganel, über die Love Architekten bis hin zu Volker Giencke, war er in einigen Büros vertreten und habe somit gesehen wie diese alle so ticken, was er einerseits als positiv, andererseits aber auch als abschreckend beschreibt.

 

Im Zusammenhang mit dem Architekturstudium fällt immer wieder das Wort horizonterweiternd. Für viele seiner Kollegen war damals ein Kriterium der Studienwahl eben nicht genau determinieren zu können, was man danach ist, sondern vielmehr etwas zu studieren, das eine breite Ausbildung, wie etwa eine kreativ-künstlerische, eine technische oder auch etwas völlig anderes, bietet. Er beschreibt auch, wie sich viele seiner Studienkollegen neben der Architektur mit den unterschiedlichsten Dingen, wie zum Beispiel der Philosophie oder der Mathematik auseinandersetzten. Sozusagen ein Studium der Möglichkeiten, das für den Filmemacher aber kein rein intellektuelles, sondern vielmehr auch ein soziales Studium darstellt. Erst durch seine Mitgliedschaft in einem Architekturzeichensaal verstand er worauf es in der Architektur ankommt. Es gehe darum wie man mit anderen Menschen kooperiert und das lerne man in einem Zeichensaal wesentlich besser als außerhalb des Zeichensaales, meint Daniel. Der Diskurs mit Kollegen – alle unterschiedlichste Persönlichkeiten – und dieses freie und unbedarfte Studieren, das alles hat von Anfang an das Architekturstudium für ihn ausgemacht. Das war auch ein Grund warum dieser Richtungswechsel so leichtfüßig von Statten ging und die Architektur keinen Umweg, sondern einen Weg, eine Entwicklung, einen länger andauernden Prozess darstellt.

 

Nach dem abgeschlossenen Architekturstudium traf der Unternehmer die Entscheidung für ein Jahr in die USA, nach New York zu gehen. Dort hat er im Grunde nichts anderes gemacht, als verschiedenste Leute besucht, befragt und darüber reflektiert, die sich damals die selben Fragen gestellt haben wie er – aus seinem Interesse an Musik, Rhythmus und Animation wollte er etwas Eigenständiges hervorbringen. Gleichzeitig überlegte Daniel mit seinem jetzigen Partner Richard schon damals, was sie gemeinsam tun könnten. Richard hatte schon immer mit Film zu tun und so hat auch das eine zum anderen geführt, die Metamorphose vom Architekten zum Filmemacher.

 

Das Interesse an anderen kreativen Prozessen alleine war aber nicht der Grund für den Richtungswechsel. Der ehemalige Student ist nach wie vor interessiert an der künstlerischen Seite der Architektur und spreche auch diese Sprache nach wie vor. Aber für ihn war klar, dass er sich selbstständig machen wollte und dass das Unternehmensmodell der Architektur kein für ihn gut funktionierendes ist, es gab keine reizvolle Perspektive. Wenn man weiß wie viel Geld in einen Wettbewerb fließt, weiß man auch, wie viele Jobs man danach braucht, hat man erst einmal fünf Wettbewerbe verloren. Ein weiterer Kritikpunkt für Daniel ist, dass viele Ideale, die während des Studiums vermittelt werden, leider im Alltag nicht halten. Die bedingungslose Aufgabe gegenüber der eigenen Tätigkeit die dort gelebt worden ist, führe auch zu einer Selbstausbeutung ohne Ziel. Man hätte ein bisschen strenger in die Realität schauen und konstruktiver sein können. Durch das „Anything Goes“ und das Durchspinnen des Studiums, hatten viele Kollegen am Ende Schwierigkeiten beruflich Fuß zu fassen.

 

Wenn man den Filmemacher über seine Studienzeit erzählen und reflektieren hört, regt einen das selbst auch zum Nachdenken an. Die Höhen und Tiefen die man erlebt, die Menschen die man kennenlernt, sind wie Daniel es treffend beschreibt, ein Weg und ein Prozess. Es prallt so viel aufeinander, dass der Beruf des Architekten sicherlich kein eindimensionaler ist. Am Ende ist es aber doch egal welche Richtung man einschlägt.

Text: Sarah A. Klaunzer